Chile ist doch kein Ponyhof!

28.January 2012 - Hacienda Los Andes


...aber wenn man wie wir 3 Tage auf der Hacienda Los Andes verbracht hat, könnte man es fast denken. Der Standort des Hotels ist mit "isoliert" sehr treffend beschrieben. Im malerischen Tal des Rio Hurtado, nur über eine sehr staubige Rappelstraße erreichbar, fernab von der Zivilisation in Form von Internet oder Handyempfang, aber inmitten einer atemberaubenden Bergwelt kann man hier alles hinter sich lassen. Schade, dass dieser malerische Ort, von einem Ehepaar aus Ebersberg liebevoll restauriert, so weit von uns weg ist. Und natürlich die Pferde! Nicht dass wir uns in der kurzen Zeit in Pferdenarren verwandelt hätten, das sind schließlich schon die beiden Deutschen und das Schweizer (aus Bern, Binja!) Mädchen, die hier z.T. ein Praktikum machen, z.T. schon mit eigenem Pferd eingewurzelt sind. Aber wir haben diese speziellen Tiere, sog. criollos, schätzen gelernt. Sie sind in den Anden geboren und aufgewachsen und deshalb höhentauglich und absolut trittfest wie Bergziegen. Noch haben wir den Ausritt nicht gewagt, aber wir werden ja noch auf einigen "Ponyhöfen" zu Gast sein und dann, wer weiß? Vorerst haben wir einen recht abenteuerlichen "Ritt" mit unserem Jeep durch die Berge ins andere Tal, nämlich dorthin, wo der Pisco hergestellt wird, gemacht. Da braucht man für 50 km schon gut und gerne 2 Stunden und danach braucht man keine Massage mehr, denn die sog. Straße über den Pass hat schon jeden Muskel durchgeschüttelt. Aber die Ausblicke auf immer wieder sich verändernde Berge, Farben, auf die Kakteenwälder und später zu unserem großen Erstaunen auf Weinfelder, die sich dank eines ausgeklügelten Bewässerungssystems in dieser Halbwüste weit in die Höhe der Berghänge ziehen - natürlich, sonst gäbe es den pisco gar nicht, denn der ist ein Tresterschnaps und der Wein in dieser Gegend wird nur zu seiner Erzeugung angebaut - machten die Strapazen wieder wett. Im Valle del Pisco Elqui angekommen haben wir zumindest das Restaurant der Piscobrennerei genossen und ein bisschen über das in die Jahre gekommene Hippieflair gelächelt, das erstaunlicher-weise immer noch junge Leute aus aller Welt anzieht. Die Gegend soll über ganz besondere erdmagnetische Strahlung verfügen, auch Außerirdische sollen schon gesichtet worden sein (wir haben sie leider verpasst) - die ganze Palette der Esoterik halt. Übrig bleibt ein Duft von Räucherstäbchen, überteuert angebotene magische Kräuter und allerlei billiger Schmuck aus Silberdraht sowie die unvermeidlichen Batikhosen. Da ist uns die Natur doch viel lieber, die in der heraufziehenden Nacht einen überwältigenden südlichen (d.h. die Sternbilder stehen Kopf) Sternenhimmel anbietet. Mit dem Teleskop der Hazienda (hat sich ein verrückter belgischer Hobbyastronom für teueres Geld dort aufgestellt) sichten wir in staubfreier Atmosphäre ganz ohne Fremdlicht Tarantulanebel, Sternenhaufen und Streifen auf dem Jupiter.Die Gegend wimmelt nur so von Observatorien, jede Forschungseinheit weltweit, die auf sich hält, betreibt ein eigenes oder bucht zumindest Forschungszeit, da ist klar, dass der einfache Tourist wie wir außen vor bleibt. Auch das Observatorium Mamalluca, das nachts Touren anbietet (und dann muss man über den unbeleuchteten Pass zurück - nein danke, so verrückt sind nicht einmal wir), konnten wir am Tag nur von außen sehen.
Übrigens: so romantisch und wunderbar all das klingen mag - auch hier gibt es den Alltag mit seinen Tücken. Kaum waren wir auf der Hazienda angekommen, sank unser Jeep mit einem Plattfuß zusammen. Na super! Aber Pferdeknechte können auch Reifen wechseln und den kaputten Reifen zum Reparieren irgendwohin fahren. Am nächsten Tag kam er zurück, einwandfrei geflickt für grade mal 3.50 Euros. Währenddessen testete Gerhard mal, ob auch in abgelegenen Teilen des Landes das Gesundheitswesen funktioniert. Er hatte sich eine Blasenentzündung zugezogen (zu wenig getrunken, sagen die Experten) und brauchte einen Katheder! Wir sahen schon den Notfallhubschrauber einfliegen, aber ein junger Arzt in der Ambulanz (Rappelstra0e!) hat alles problemlos hingekriegt und jetzt lacht er schon wieder (allerdings mit viel Wasser und Antibiotika) Und das Beste: alles umsonst! Keine Angst, Unkraut vergeht nicht!