The Overland Track

07.March 2011 - Tasmania


Samstag, 5. März, 2011:
Chaotisch, verschlafen und völlig orientierungslos ging es am Samstagmorgen um 6.40 Uhr erst einmal mit dem Taxi zur Bushaltestelle und dann mit dem Shuttle-Bus direkt zum Airport. Wir hatten in der Nacht zuvor nicht allzu viel geschlafen, da Nora bis 18 Uhr gearbeitet hatte, und Ich den Grossteil meines Tages im Krankenhaus verbracht hatte,da Ich noch immer Probleme mit meine Augen hat (sind aber inzwischen besser). Nach Dusche, Wäsche waschen, kochen, essen, packen und Verabschieden blieb dann nicht mehr viel Zeit zum Ruhen.
Am Flughafen hieß es nun erst einmal Warten. Unser Flug startete gegen 19.30 Uhr. So nuzten wir die Zeit, um noch einmal unseren Bus für den nächsten morgen von Hobart nach Cradle Mountain, dem Startpunkt für den Overlandtrack, zu ueberpruefen, den wir zuvor übers Internet gebucht hatte. Und siehe da: Die freundliche Dame am Telefon teilte mir mit, dass am Sonntagmorgen kein Bus nach Cradle Mt. Fahren würde, ich könnte es höchstens bei einer anderen Gesellschaft probieren, aber die würde, wenn auch nur von Launceston aus fahren. Von hier an begannen wir mehr und mehr zu verzweifeln. Wir konnten zwar einen Bus von Launceston nach Cradle Mt. Finden, jedoch keinen der rechtzeitig von Hobart nach Launceston fahren würde. Zudem konnten wir unsere beide Resepartnerinnen (Denise und Sandrine) nicht mehr erreichen. Sie befanden sich schon in Cradle Mt. Und es war ausgemacht, dass sie schon am Sonntagmorgen loslaufen würden und wir Mittags nachkommen sollten, um uns dann Abends an der ersten Hütte zu treffen.
Nach einem Frustfressen bei Hungry Jacks ( Burger King) beschlossen wir nach vorne zu schauen und uns einfach ganz fest einzubilden, dass das schon alles klappt.
In Hobart angekommen, gab es natürlich aber tatsächlich keine Möglichkeit von A nach B zu kommen. Australien ist einfach nicht so bevölkert wie Deutschland und so gibt es zwischen den 2 groessten Städten auf Tasmanien nur 2 bis maximal 3 Bus-Verbindungen pro Tag.
Uns blieb also nicht viel anderes übrig als die Nacht erstmal in einem Hostel einzuchecken und am nächsten morgen wieder mal viel zu früh aufzustehen, um zu sehen, was wir noch retten könnten, um es tatsächlich bis zum Overlandtrack zu schaffen.

Sonntag, 6. März, 2011:
Es gelang uns den Bus wieder zu canceln, einen neuen für den Nachmittag nach Launceston und einen weiteren für den nächsten Morgen nach Cradle Mt. Zu buchen und den Start unserer Wanderung, um einen Tag zu verschieben. Den Vormittag nutzten wir dann für einen kleinen Stadtspaziergang bei strahlendem Sonnenschein durch Hobart inklusive völlig überteuerten, aber durchaus schmackhaften Fish and Chips.
In Launceston genossen wir noch ein letztes mal die Vorzüge einer richtigen Küche, einer Dusche und eines bequemen Bettes.

Montag, 7.Maerz, 2011
Immer noch optimistisch, aber auch etwas panisch ging es dann endlich los nach Cradle Mt. Die beiden anderen Mädels waren mit Sicherheit schon weiter gelaufen, da sie ja nicht wussten, dass wir uns nur um einen Tag verspäteten, sondern davon ausgehen mussten, dass wir den kompletten Trip abgesagt hatten. Es war nicht nur extrem schade, dass wir die beiden nun nicht mehr sehen wundern, da wir uns wirklich auf sie gefreut hatten, sondern ein viel grundlegenderes Problem bestand darin, dass die beiden, den Gaskocher bei sich hatten und wir somit keine Möglichkeit warmes Essen zu zubereiten, geschweige denn Wasser abzukochen.
Trotz allem liefen wir gegen 13 Uhr dann einfach los!
Nach nur einer Stunde fragten wir uns schon, was wir hier eigentlich auf uns genommen hatten. Mit über 15 kg Marschgepäck ging es den Weg entlang. Doch als wir um eine Kurve liefen und sich völlig überraschend plötzlich ein See vor uns ausbreitete, war uns klar, warum wir das Ganze machten.
Und von da an ging es steil Berg auf!leider nur im geographischen Sinne. Unsere Stimmung sank mit jedem Meter den wir den Berg weiter hinaufkraxelten. Völlig erledigt konnten wir nach 5 Stunden über Stock und Stein endlich die Hütte sehen, in der wir die Nacht verbringen wuerden?und kamen sie uns plötzlich entgegen: Zuerst ein kleines Mädchen mit grauem Pulli und dahinter ein französischer Blondschopf. Ich hätte am liebsten angefangen zu heulen. Sie hatten tatsächlich auf uns gewartet.
Nachdem wir am Sonntagabend nicht wie geplant aufgetaucht waren, hatten Denise und Sandrine sich natürlich Sorgen gemacht. Dank der Ranger, die in der Hütte stationiert waren, hatten sie aber Kontakt zur Station in Cradle Mt. Aufnehmen können und erfahren, dass wir noch nicht gestartet waren, und so beschlossen noch einen Tag auf uns zu warten.
Keine Ahnung wie, aber am Ende ist alles gut ausgegangen und so ging unser Abenteuer nun zu viert weiter.

Dienstag, 8. März, 2011:
Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht auf einem harten Holzbrett, in einer ungeheizten Hütte, bei Außentemperaturen von etwa 7 Grad Celsius ging es bei leichtem, aber beständigen Regen weiter auf unserer Route.
Wie de Gefährten bei Herr der Ringe stampften wir durch die nasse Landschaft, umringt von nichts als einsamer Natur. Nach nur etwa 2 ½ Stunden hatten wir unser Ziel für diesen Tag, aber auch schon erreicht und verbrachten den Nachmittag geschützt vor Regen und halbwegs getrocknet in der Hütte mit dem Namen Windermere Hut.

Mittwoch, 9. März, 2011:
Am Montag war das Motto "Berg auf", am Dienstag quälten wir uns durch den Regen und heute ging es durch den Matsch. Aber nicht nur einfach ein bisschen Schlamm, sondern ganze Schlammgruben! Matsch in allen Farben und Formen. Von leicht grün, über hellbraun bis fast schwarz. Da nehmen wir es sogar in Kauf, nach 6 Stunden wandern, noch einmal von unserer Unterkunft für die Nacht, eine halbe Stunde zu laufen, um ein Bad im eisig kalten Fluss zu nehmen.
Die Temperaturen waren wirklich nicht zum Verweilen, aber nach 3 Tagen ohne Dusche, stattdessen aber Schweiß, Regen und Dreck fühlte sich das Wasser angenehm erfrischend an.
Wieder halbwegs als Mensch fühlend konnten wir nun, nach einem kläglichen Mahl (unser Essen ging langsam aus, wir mussten rationieren) auch die unglaubliche Landschaft, bei untergehender Sonne bewundern.

Donnerstag, 10. Februar, 2011:
Da unsere Essensvorraete, wie schon erwähnt, langsam zur Neige gingen, und Sandrine und Denise noch ein paar Tage im Rest Tasmaniens genießen wollten, bevor sie am Dienstag zurück fliegen würden, beschlossen wir zwei Tage in einen zu packen. Durchaus nicht unüblich, und normalerweise auch gut machbar. Allerdings nicht wenn man noch eine dreistündige Bergbesteigung mit reinquetscht.
Wir waren kaum 1 ½ Stunden gelaufen, und achten gerade eine kleine Rast, als wir drei anderen Wanderern begegneten , die uns dazu ermunterten Mt. Ossa zu besteigen. Es sei eine Schande so weit gereist zu sein und dann nicht den höchsten Berg Tasmaniens, oder zumindest einen Teil, zu erklimmen.
Während Sandrine und Nora uns mit der fabelhaften Aussicht nach etwa 2/3 des Weges begnügten, kletterten Ich und Denise Tatsächlich bis zur Höhe von 1617 Metern.
Bis zur nächsten Hütte waren es, wieder heil unten angekommen, dann noch einmal 1 ½ Stunden. Dort angekommen gönnten wir uns eine kleine Lunch-Pause, bevor es in einer nicht zu verachteten Geschwindigkeit weiter ging. Wir hatten schon mit dem Gedanken gespielt die Nacht in einer älteren Hütte zuverbringen, die eigentlich nur für Notfälle gedacht ist, beschlossen dann aber die Zähne zusammen zu beißen und sich auf einen entspannenden nächsten Tag zu freuen. Also ging es noch einmal 2 Stunden bis zum nächsten Stopp. Das Gepäck mitten im Wald liegen gelassen folgten wir dem Pfad bis zu einem herrlichen Wasserfall. Der Sidetrip hatte uns eine weitere Stunde gekostet und nun spürten wir langsam alle wie unsere Kräfte zu Ende gingen. Aber wir hatten keine Wahl. Es gibt keinen Notausgang aus dieser Wanderung! Also trotteten wir noch einmal knappe 1 ½ Stunden durch die Wildnis. Nach beinah 11 Stunden hatten wir dann endlich unser Ziel erreicht: Windy Ridge Hut.
Raus aus den Klamotten und Schuhen, schnell etwas gegessen und ab ins ?Bett?.

Freitag, 11. März, 2011:
Mit Beinen wie Wackelpudding, machten wir uns relativ spät auf den Weg. Um neun Uhr starteten wir als letztes von unserer Hütte und gingen die letzten 9,5 km gemütlich an.
Der Weg und sogar meine Schuhe waren halbwegs getrocknet und schlammfrei. Außerdem erwartete uns heute keine groessere Steigung mehr, so dass es ein angenehmes Laufen war. An diesem Punkt möcht ich erwähnen wie unglaublich viel Glück wir mit dem Wetter hatten: Nur einen Tag Regen und der war noch nicht mal heftig. Ich weiß nicht, ob es so was überhaupt schon einmal in der Geschichte des Overlandtracks gegeben hat. Normalerweise muss man hier jeden Tag mit Regen rechnen und selbst Schnee ist nicht vollkommen ausgeschlossen.
Die letzten Meter bis zum Lake St. Clair ging es dann noch einmal über eine wackelige Haengebruecke und dann hatten wir es endlich geschafft. Nach 65 km konnten wir den traumhaften Blick über den See richtig genießen. Die letzte Nacht verbrachten wir nun noch einmal in einer Huette, bevor es am nächsten Morgen mit einer kleinen Fähre zurück gehen würde.
Es war ein harter und anstrengender Weg, aber jeder einzelne Schritt war es Wert und ich bin unglaublich stolz auf uns Vier, dass wir alle Hürden gemeistert haben und nie aufgegeben haben.

Samstag, 12. März, 2011:
Nach 65 km über Stock und Stein, 6 Tagen ohne Strom, fließend Wasser, Bette oder sonstigen Luxusgütern, dafür nasse Schuhe, Rückenschmerzen, Blasen, einem Haufen Instantnudeln, Moskitos und den unglaublichsten Aussichten auf unberuehrte Natur, Wasserfälle, Bäche, Seen, Berge, Wald und weite Steppen im Nichts, sind wir wieder in der Zivilisation angekommen.
Nach einer letzten Nacht ging es am morgen, wie erwähnt mit einem kleinen 20-Mann Boot über den Lake ST. Clair bis zum Visiotr Information Centre des Nationalparks und von dort aus mit dem Bus zurück nach Hobart.
Um kurz nach halb drei kamen wir in der Stadt