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1001 Leiche

24.February 2010 - Varanasi


by Jana:

Wie schon in Mumbai ausgemacht, wollten Tina und ich Conni und Caro auf ihrer letzten Station in Indien treffen. Also buchten wir unseren Zug nach Varanasi und hofften, dass die Zeit noch ausreichen würde, von der langen Warteliste vorzurücken. Letztendlich schafften wir es aber nur auf einen RAC-Platz, wo wir beide uns eine Platz teilen mussten. In einem völlig überfüllten Zug fuhren wir also anderthalb Tage nach Varanasi. Geplante Ankunft um 14.30. Das haben wir nicht ganz geschafft und mit anderthalb Stunden Verspätung fuhren wir endlich in Varanasi ein. Bis wir abgeholt wurden und endlich im Hotel waren, verging eine weitere Stunde, sodass unsere kostbare kurze Zeit in Varanasi immer kürzer zu werden drohte. Auf halber Strecke hielt der Riksha-Fahrer plötzlich an und wir gingen zu Fuß weiter. In den engen Straßen der Ghats entlang des Ganges sind Rikshas verboten. Die einzigen motorisierten Fahrzeuge die man da antrifft sind Motorräder. Endlich am Hotel angekommen begrüßten uns auch schon Conni und Caro vom Balkon ihres Zimmers aus. Ein schönes Wiedersehen mit den beiden! In Mumbai noch winterblass und Indien-unerfahren, strahlten uns jetzt zwei braungebrannte Indien-Kenner an. Allerdings hatten wir auch hier nicht soviel Zeit, weil wir alle eine Bootstour zum Sonnenuntergang machen wollten, um das Puja am Dasaswamedh Ghat zu erleben (eine langwierige Zeremonie mit Kerzen, Rauch, Duftölen u.a. ausgeführt von 5 Priestern). Die Tour sollte um halb sechs starten, sodass Tina und mir nur eine halbe Stunde zum Einchecken und duschen blieb. Ich hatte ja gehofft, erstmal noch schnell was essen zu können, da ich den ganzen Tag gar nichts gegessen hatte und meine Kost am Tag davor auch sehr sehr überschaubar war (ich bin halt wählerisch, wenns mir nicht schmeckt, ess ich lieber gar nichts). Naja, das Duschen ging tatsächlich schnell und endlich erfrischt aber immer noch hungrig konnte es losgehen zur Bootstour. Die dauerte aber zwei Stunden! Es war schon sehr interessant, auf der mächtigen Ganga, Indiens Lebenslinie, zu schwimmen und das Treiben am Ufer zu bestaunen. Ghat für Ghat zog an uns vorbei, einige davon beliebte Badeplätze für das heilbringende Bad im Fluss oder andere Waschplätze für die Dhobis und - besonders interessant - die Burning Ghats, wo die Hindus ihre Toten verbrennen. In Varanasi verbrannt zu werden und die Asche in den Fluss streuen zu lassen, ist die ehrenvollste Beerdigungsart für Hindus. Die Seele verlässt dann angeblich den Kreis des Lebens und steigt direkt ins Nirvana auf. Ausgenommen vom Verbrennen sind schwangere Frauen, kleine Kinder und Leute die an einem Schlangenbiss starben. Diese werden einfach mit einem Stein beschwert und im Fluss versenkt. Leider löst sich das Seil auch gerne mal und es ist kein seltener Anblick, eine Leiche im Wasser treiben zu sehen. Angeblich gibt es sogar noch Fische und Ganga-Delphine im Fluss, obwohl der Anteil des im Wasser gelösten Sauerstoffs so gut wie null ist. Von denen gesehen haben wir aber keine und keins der Restaurants die wir gesehen hatten, hatten Flussfisch im Angebot....
Weiter auf dem Fluss hielt das schauklige Boot schließlich zusammen mit zwanzig anderen Booten vor dem Dasaswamedh Ghat, um die langwierige Zeremonie mit zuerleben. Das war zwar sehr interessant, aber die ständige Geräuschkulisse aus Trommeln, Glöckchen, blechernen Gongs und dem Sprechgesang der Brahmanen gepaart mit meinem inzwischen mörderischen Hunger ließ mich wünschen, dass die Bootstour doch nicht so lange ging. Puja ist schon sehr monoton und verstanden worum es bei der Zeremonie geht, habe ich ja auch nicht.
Als wir endlich zurück waren gingen wir gleich ins nächste Restaurant, ein Rooftop Restaurant im nahe gelegenen Hotel von Sylvia, einer Deutschen, die Conni und Caro früher am Tag kennengelernt hatten und die uns an diesem Tag begleitete. Die Aussicht auf den Fluss und die Stadt war phantastisch aber auch ehrlich verdient, wenn man in den 8.Stock über eine extrem steile und enge Treppe geklettert war.
Das Essen ließ leider auch eine ganze Weile auf sich warten, dafür war es super lecker. Wir alle hatten aber auch viel zu viel bestellt, weil wir in Indien immer das Problem haben, einzuschätzen, wieviel sich hinter einem Gericht verbirgt. Normalerweise stellt man sich in indischen Restaurants sein Essen ja selbst zusammen, nimmt hier ein Curry, da bissel Reis oder doch lieber Naan und Raita.... in Restaurants mit gemischter internationaler Küche ist das schwieriger. Ist das jetzt eine Beilage oder ein Hauptgericht, ist der Salat ein richtiger Salat oder nur eine aufgeschnittene Tomate und Gurke? Im letzteren Fall war ich auch sehr enttäuscht, als sich herausstellte, dass mein Tomatensalat ein Teller mit in einer in Scheiben geschnittenen Tomate war. Wie originell! Aber der Rest war lecker, wir hatten Tandoori Chicken, Enchiladas, Mashed Potato (das war auch ein Hauptgericht mit Gemüse, weiß man ja vorher nicht) und Thali und Naan und wer weiß was noch. Das war für uns fünf Mädels dann doch zuviel, sodass wir alles einpacken ließen und damit Leute auf der Straße und einen Hund beglückten.
Nach dem Essen ging es zurück in unser Hotel und wir wollten noch gemütlich auf unserem Balkon sitzen und Fotos und Reiseberichte austauschen. Der Plan wurde allerdings von einer Horde Affen zunichte gemacht, die unseren Balkon die ganze Nacht besetzt hielten. So machten wir es uns eben auf dem Bett bequem und quatschten in die Nacht hinein. Allerdings auch das nicht zu lange, da wir schon für den nächsten Morgen um viertel 6 eine andere Bootsfahrt zum Sonnenaufgang gebucht hatten. Das hieß zeitig aufstehen. Diese Fahrt war aber auch wunderschön, bei der aufgehenden Sonne im zarten Morgenlicht die vielen Pilger zu beobachten, die alle ein Bad in der Ganga nahmen. Einwohner von Varanasi machen das täglich, es kann ja nur helfen. Wir haben auch Leute gesehen, die sich mit dem Flusswasser die Zähne putzen! Aber das Wasser reinigt, angeblich nicht nur von innen. Was solls, solange niemand von mir verlangt, darin zu baden. Plötzlich schwamm dann auch eine dicke aufgeblähte Männerleiche an uns vorbei, wahrscheinlich an einem Schlangenbiss gestorben (er war kein Kind und nicht schwanger...). Sehr appetitlich. Tatsächlich bekamen wir alle bald Hunger, fand die Tour doch noch vor dem Frühstück statt und ging auch diesmal zwei Stunden. Also ging es sofort im Anschluss wieder in das Rooftop Restaurant vom vorigen Abend, weil es ganz in der Nähe war und Conni und Caro dann schnell auschecken und zum Zug mussten. Das Frühstück war auch wieder sehr lecker und dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen von Conni und Caro :-(
Die beiden fuhren mit dem Zug weiter nach Mumbai um von dort den Heimflug nach Deutschland anzutreten.
Tina und ich ruhten uns noch etwas im Hotel aus bis auch wir auscheckten und noch etwas in der Stadt herumlaufen wollten. Wir hatten 4 Stunden, bis unser Zug zurück nach Hyderabad ging, da spazierten wir gemütlich durch die engen Gassen und liefen an den Ghats entlang. Die exotische Atmosphäre in Varanasi mit all den vielen Pilgern, Priestern, Bootsführern und Touristen ist wirklich eine Reise wert. Außerdem war es nur wenige Tage vor Holi, dem indischen Farbenfest, sodass viele Kinder schon mal übten und wild mit bunten Farben und Wasserbomben um sich warfen.
An einem der Burning Ghats blieben wir stehen und schauten von einem Balkon aus zu, wie die vielen Toten kremiert werden. Es ist ein sehr seltsamer Anblick, wie die Leute ständig neue Holzhaufen aufschichten und dann alle fünf Minuten eine neue Leiche anbringen. Es dauert wohl 24 Stunden, bis eine Leiche komplett verbrannt ist und es ist tatsächlich sehr eigenartig zu sehen, wie die Leichen wie auf einem Grill geröstet werden. Aber andere Länder, andere Sitten...
Dann ging es für uns auch schon zurück zum Bahnhof, wo unser Zug natürlich wieder Verspätung hatte. Da trafen wir dann auch wieder auf Dannah, die Israelin mit der wir in Hyderabad gefrühstückt hatten. Sie war eine Woche zuvor schon von Hyderabad aus nach Varanasi gefahren und war nun auf dem Weg nach Delhi.
Unser Zug war dann erstaunlich leer, wenn man bedenkt, dass wir auf der Hinfahrt einen absolut überfüllten Zug hatten, wo die Leute sogar im Gang geschlafen haben.