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Das Reisen geht zu Ende. Endgültig.

05.April 2012 - Singapur


Singapur ist einfach eine Wahnsinnsstadt, eine Stadt der Kontraste. Wer dachte, New York sei ein ?Melting Pot?, ein Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen, der war noch nicht in Singapur. Das bekommt man hautnah zu spüren, wenn man einfach nur durch die Stadt läuft. Deshalb mache ich die restlichen Tage eigentlich nichts anderes. Man lernt den Charakter einer Stadt wirklich erst kennen, wenn man hinter die blitzblanke Fassade in die Hinterhöfe schaut. Dort spielt sich auch ein (Groß)Teil des Lebens der Bevölkerung Stadt. Auch wenn Singapur schier vor Reichtum strotzt, man die Finanzwelt fast schmecken kann, so gibt es immer noch diesen gigantischen Kontrast zu den Vierteln, in denen nicht alles aus Gold und Marmor ist. Wie beispielsweise das wirkliche Little India und das echte Kampong Glam (Little Persia). Mein Streifzug durch diese Viertel enthüllte mir das Leben der Menschen, das so ganz anders ist, als das nur fünf Kilometer weiter. Hier wird nicht alle zehn Minuten die Straße gekehrt, hier läuft niemand im Anzug rum, das Leben hier spielt sich nicht über sondern auf den Straßen Singapurs ab. Ich weiß nicht, wie ich das wirklich beschreiben soll, es waren zu viele neue Eindrücke, die dort, abseits der Hauptstraßen auf mich einprasselten, dort, wo nicht die Touristen sondern die Einheimischen verkehren. Es war einfach anders. Beispielsweise ging ich über einen Flohmarkt. Dort konnte man wirklich alles kaufen, alle nur erdenklichen Elektrokabel, alte ausländische Münzen, Schuhe und sogar ? mein persönliches Highlight ? Stahlhelme aus dem zweiten Weltkrieg. Ich würde so gerne noch mehr über diese Eindrücke schreiben, die ich dort gewonnen habe, doch mir fehlen die Worte dafür. Genauso stelle ich mir Indien vor.


Wovon ich leider ein wenig enttäuscht war, ist Chinatown. Als ich erneut dort war, stellte ich mit erschrecken fest, wie falsch hier doch alles ist. Das gesamte Gebiet ist die reinste Touristenfalle, jedes bisschen Kultur muss man mit der Lupe suchen, dominierend sind die Stände mit dem wohl klischeehaft ?chinesischsten? Nippes, den man sich vorstellen kann. Da habe ich mir wirklich mehr von erhofft.

Zwischen meinen Entdeckungsspaziergängen musste natürlich immer wieder Nahrung her. Genau dafür gibt es ja die Food Courts. Ich habe es inzwischen auch herausgefunden, hier gibt es in regelmäßigen Abständen sog. ?Food Courts?, das sind Markthallen, Straßen oder Plätze, an denen es nichts gibt, außer Essen. Das aber in Hülle und Fülle. Hunderte, wenn nicht sogar Tausende strömen zwischen den Ständen umher. Als Ausländer fühlt man sich sofort überfordert. Obwohl viele der 50 plus Stände ein ähnliches Angebot haben, so hat man doch keine Ahnung, was man essen soll. Die Bilder helfen ein bisschen, aber auch nicht wirklich viel, wenn der gesamte Name auf Chinesisch oder Hindii ist. Ein ?Eene, meene, muh?? später saß ich immer am Tisch mit einem mir unaussprechlichen Gericht vor mir und übte fleißig, wie man (dank Jow weiß ich das jetzt) richtig mit Stäbchen isst. Ein echter Spaß, wenn man mal den Dreh raus hat. Dann schaffte man selbst die kleinen roten Chillischoten mühelos in den Mund zu schaufeln. Diese kleinen roten Dinger sind ein Segen und eine Qual zugleich, sie verbrennen einem den ganzen Mund und helfen doch gegen die Hitze, wie es jedes scharfe Essen vermag. Da kann man noch so viel Ingwertee mit Milch (Teh Tehrak) oder frisch gepresste Fruchtshakes trinken, die Schwüle Singapurs zwingt jeden Touristen in die Knie. Ohne Klimaanlagen wäre ein Leben hier undenkbar. So klappt das mit dem Essen wunderbar, es hat mir hier auch jedesmal gut geschmeckt. Nur an das Aufstehen, ohne irgendetwas wegzuräumen, da habe ich noch ein komisches Gefühl bei.

So ziehen die Tage ins Land, wie so oft. Ich genieße jeden weiteren Einblick in den wahren Charakter der Stadt, koste eine weitere Köstlichkeit und bin einfach nur Beobachter dieses gigantischen Organismus Singapur.

Weitere Organismen beobachte ich Mittwochabend, da fahre ich in den Zoo. An sich nicht so spannend, doch in Singapur ein bisher einzigartiger Nachtzoo. Wilde Tiere im Tageslicht kann ja jeder beobachten, nachts sieht das schon anders aus. Auch wenn hier wieder die Massen unterwegs sind, so hat es doch was für sich, mit einer Art Straßenbahn durch den Dschungel zu fahren und nachtaktive Tiere zu beobachten, ohne Gitter, ohne Käfige, teilweise nur wenige Zentimeter von den Anschauungsobjekten entfernt (natürlich nur bei den absolut harmlosen). So kann man Löwen, Elefanten, Wasserbüffel, Nilpferde, weiße Leoparden usw. bestaunen. Doch mir haben am besten die Tiere gefallen, die man sonst nicht sehen kann. Fledermäuse (ohne Käfige, die fliegen einfach um einen herum), Flughörnchen, fischende Katzen und Ähnliches. Die habe ich bei meinem anschießenden Spaziergang auch wieder besucht. Das sieht man ja wirklich nicht jeden Tag.

Und schon ist er da, mein letzter Tag. Heute beschließe ich meinen Singapur von oben, mit einem Besuch auf der Aussichtsplattform des Marina Bay Hotels, eines Hotels in Form eines Schiffs, das auf drei Türmen steht. Eigentlich kostet die Fahrt da hoch 20 $, doch wenn man einfach so tut, als würde man dazu gehören, kommt man auch über den Gästeaufzug hoch. Und die Aussicht ist gigantisch. Zur Westseite sieht man aufs Meer hinaus. Oder besser auf den Hafen. Ich habe schon viele Häfen gesehen, aber ich habe noch nie eine solch gigantische Armada an Schiffen gesehen. Hunderte an kleinen, großen und gigantischen Frachtern warten auf den Einlass. Ziemlich cooles Bild. Die andere Seite offenbart einem die Stadt. Und ihre Ausläufer. Ich habe es mir schon gedacht, als ich gestern eineinhalb Stunden zum Zoo gefahren bin, doch jetzt sehe ich es. Die Stadt ist riesig. Sie erstreckt sich so weit das Auge reicht, bis zum Horizont und noch viel weiter (Zugeständnis: Es ist ziemlich diesig, entweder wegen dem Wetter oder wegen Smog, sodass man icht wirklich weit sehen kann). Überall sieht man vereinzelte oder Gruppen an Wolkenkratzer und Wohnblocks. Eine Wüste der Zivilisation.

Hier oben wird mir noch einmal bewusst. Ich hätte eigentlich vermutet, dass es ein Schock für mich wäre, zuerst die einsamen Weiten Neuseelands, dann die noch einsameren Strände Rarotongas und dann die Millionenstadt Singapur. Doch nein. Nichts. Wahrscheinlich habe ich mich schon so an ständig wechselnde Umgebungen angepasst, dass ich mich direkt aklimatisiere und wohlfühle. Eine Eigenschaft des Homo Backpackus.

Und noch etwas wird mir klar, als ich heute Abend meinem Lieblingswolkenkratzer hier (Parkview Square) sitze. Das Reisen hat ein Ende. Das halbe Jahr ist nun endgültig vorbei. Ich hatte zwar schon mit Neuseeland abgeschlossen, doch das Heimkommen war noch nie so nahe, wie jetzt. Noch 14 Stunden Flug trennen mich von der Heimat. In 24 Stunden bin ich wieder auf deutschem Boden.


Wie die Zeit vergeht?